
In einer grellbunten und lauten Welt, die zunehmend aus Effekthascherei undsimplifizierter Einordung besteht, sind es die ruhigen und zurückgelehnten Zwischentöne, auf die man vornehmlich achten sollte. Der Wiener Vollblutmusiker Bernhard Eder versteht seine Kunst seit jeher als eine, die überlegt, reflektiert, Haken schlägt und sich weder inhaltlich, noch musikalisch vorschnell kategorisieren lässt. Er zitiert gerne aus dem Songbuch der großen Indie-Helden, mengt diesem Gestus aber stets eigene Farben bei, die ihn wohltuend aus dem Wulst der musikalischen Veröffentlichungen des Mitbewerbs herausstechen lassen. Das neueste Machwerk „Golden Days“ ist ein weiteres Musterbeispiel an Geduld und Ausgewogenheit. Nicht weniger als fünf Jahre hat der Künstler daran geschraubt und gefeilt, bis alle Zahnräder ineinandergriffen und die einzelnen Nuancen sich zu einem komprimierten Klangpaket verknüpfen ließen.
Der eigene Perfektionismus und die sich rasant verändernden gesellschaftlichen Strömungen führten dazu, dass Eder immer wieder adaptierte und nachschliff. Hier eine neue Melodie, dort ein veränderter Text. Die Arrangements waren im Wandel, die Gedanken rotierten. Das fertige Endergebnis ist eine knapp einstündige Reise durch den Mikro- und Makrokosmos der Eder’schen Welt. Ähnlich seiner großen Idole, den Beatles, hat der Wiener mit seiner kundigen Band (Marlene Lacherstorfer, Julian Schneeberger, Ryan T. Carpenter, Max Perner) den Großteil der Songs in einem einzigen Raum aufgenommen. Im Studio 2 des Radiokulturhaus Wien entstanden so Lieder, die zwischen bittersüßer Fragilität und austreibendem Selbstbewusstsein mäandern und den Gemeinschaftsgedanken der einzelnen Musiker mit Stolz nach außen tragen. Gleich die Hälfte der Songs geht über die 5-Minuten-Marke und lässt sich ausreichend Zeit, um Spannung und Emotionen aufzubauen, anstatt sich dem Diktat der global schwindenden Aufmerksamkeitsspannen zu unterwerfen.


